Kostgeld für erwachsene Kinder - was ist fair?

Mann entspannt in Hängematte, während Frau fegt. Eine humorvolle kostgeld tabelle für den Haushalt.

Geschrieben von

Pierre Krauß

Veröffentlicht am

21. Mai 2026

Inhaltsverzeichnis

Wenn ein erwachsenes Kind weiterhin zu Hause lebt und eigenes Geld verdient, entsteht schnell die Frage, wie viel es zum Haushalt beitragen sollte. Eine feste Kostgeld-Tabelle gibt es rechtlich nicht, aber mit realistischen Kosten, einer fairen Vereinbarung und der Düsseldorfer Tabelle lässt sich der Betrag gut einordnen.

Die wichtigsten Zahlen für eine faire Vereinbarung

  • Keine gesetzliche Pauschale: Kostgeld ist grundsätzlich eine private Vereinbarung zwischen Eltern und Kind.
  • Etwa 150 bis 550 Euro können je nach Einkommen, Umfang der Verpflegung und Wohnsituation eine realistische Orientierung sein.
  • 698 Euro Bedarf nennt die Düsseldorfer Tabelle 2026 für volljährige Kinder im Haushalt der Eltern in der niedrigsten Einkommensgruppe.
  • 259 Euro Kindergeld werden bei volljährigen Kindern grundsätzlich vollständig auf den Unterhaltsbedarf angerechnet.
  • Unterhalt und Kostgeld sind nicht dasselbe und dürfen nicht einfach miteinander verrechnet werden.

Vater und Sohn falten Wäsche. Der Vater hält ein blau kariertes Hemd, der Sohn greift in einen Wäschekorb. Eine kostgeld tabelle ist nicht zu sehen.

Was Kostgeld rechtlich bedeutet

Mit Kostgeld ist meist ein monatlicher Beitrag gemeint, den ein erwachsenes Kind für Wohnen, Essen, Strom, Heizung und gemeinsame Haushaltskosten an die Eltern zahlt. Es handelt sich normalerweise nicht automatisch um Miete und auch nicht um einen gesetzlich festgelegten Unterhaltsbetrag.

Eine gesetzliche Tabelle, die Eltern etwa 300 oder 400 Euro Kostgeld zuspricht, existiert nicht. Die Höhe hängt davon ab, ob das Kind nur ein Zimmer nutzt, vollständig mitversorgt wird, selbst einkauft oder zusätzlich im Haushalt mithilft. Ich halte eine transparente Vereinbarung für deutlich sinnvoller als einen pauschalen Betrag, der jeden Monat neu zum Streit führt.

Besonders wichtig ist die Abgrenzung zum Kindesunterhalt. Unterhalt kann einem Kind während Schule, Ausbildung oder Studium zustehen. Kostgeld ist dagegen ein frei vereinbarter Haushaltsbeitrag. Eltern dürfen deshalb nicht ohne Weiteres einen beliebigen Unterhaltsanspruch in eine Rechnung für das Kinderzimmer umwandeln.

Gibt es eine Pflicht zur Zahlung?

Für ein volljähriges Kind gibt es keine allgemeine gesetzliche Pflicht, den Eltern automatisch Kostgeld zu zahlen, nur weil es im Elternhaus lebt. Die Eltern können aber entscheiden, unter welchen Bedingungen das Zusammenleben fortgesetzt wird. Dazu kann auch ein angemessener Beitrag zu den laufenden Kosten gehören.

Am besten wird vorab festgehalten, welche Leistungen im Betrag enthalten sind. Dazu zählen zum Beispiel die Nutzung des Zimmers, Mahlzeiten, Wäsche, Internet und die Mitbenutzung von Küche und Bad. Eine nachträgliche Forderung ohne vorherige Absprache ist rechtlich und familiär deutlich problematischer.

Welche Höhe für Kostgeld realistisch sein kann

Die folgenden Werte sind keine gesetzlichen Sätze, sondern eine praktische Orientierung für Familien. Ich würde immer prüfen, ob der Betrag zum Einkommen des Kindes passt und ob die Eltern tatsächlich alle genannten Leistungen erbringen.

Situation Was ist enthalten? Grobe Orientierung
Schüler oder Kind ohne eigenes Einkommen Zimmer, Essen, laufende Haushaltskosten 0 bis 100 Euro
Auszubildender mit niedrigem Einkommen Zimmer, überwiegend gemeinsame Mahlzeiten, Nebenkosten 150 bis 250 Euro
Auszubildender oder Teilzeitbeschäftigter Zimmer, Verpflegung, Strom, Heizung und Internet 250 bis 400 Euro
Vollzeitbeschäftigter mit eigenem Einkommen Vollständige Unterkunft und Verpflegung 350 bis 550 Euro
Nur Zimmer, sonst Selbstversorgung Unterkunft und anteilige Nebenkosten 150 bis 350 Euro

Diese Spannen ersetzen keine individuelle Berechnung. In einer teuren Großstadt kann allein der Wohnanteil deutlich höher liegen. Gleichzeitig ist es nicht automatisch fair, von einem Auszubildenden mit 800 Euro netto denselben Betrag zu verlangen wie von einer berufstätigen Person mit 2.500 Euro.

In der Praxis funktioniert häufig ein moderater Grundbetrag plus Beteiligung an einzelnen Kosten. Beispielsweise können 250 Euro für Unterkunft und Grundversorgung vereinbart werden, während das Kind Kleidung, Handy, Fahrtkosten und gelegentliche eigene Lebensmittel selbst bezahlt.

Was die Düsseldorfer Tabelle 2026 mit Kostgeld zu tun hat

Die Düsseldorfer Tabelle ist keine Kostgeldliste. Sie dient als Richtlinie zur Berechnung von Kindesunterhalt. Für volljährige Kinder, die bei den Eltern oder einem Elternteil wohnen, wird 2026 grundsätzlich die vierte Altersstufe verwendet. Das OLG Düsseldorf weist zugleich darauf hin, dass die Tabelle keine Gesetzeskraft hat und der Einzelfall entscheidend bleibt.

Bereinigtes Nettoeinkommen Bedarf ab 18 Jahren Nach Abzug von 259 Euro Kindergeld
Bis 2.100 Euro 698 Euro 439 Euro
2.101 bis 2.500 Euro 733 Euro 474 Euro
2.501 bis 2.900 Euro 768 Euro 509 Euro
2.901 bis 3.300 Euro 803 Euro 544 Euro
3.301 bis 3.700 Euro 838 Euro 579 Euro
3.701 bis 4.100 Euro 894 Euro 635 Euro

Die Tabelle zeigt den unterhaltsrechtlichen Bedarf, nicht den Betrag, den Eltern als Kostgeld verlangen dürfen. Bei einem volljährigen Kind sind grundsätzlich beide Eltern barunterhaltspflichtig, wenn die Voraussetzungen für Unterhalt erfüllt sind. Außerdem können eigenes Einkommen, Ausbildungsvergütung, BAföG und weitere Leistungen den Anspruch mindern.

Ein Beispiel macht den Unterschied deutlich. Ein 19-jähriges Kind besucht noch die Schule, lebt zu Hause und hat kein eigenes Einkommen. In der ersten Einkommensgruppe ergibt sich 2026 ein Bedarf von 698 Euro. Nach Abzug des vollen Kindergelds von 259 Euro verbleiben 439 Euro ungedeckter Bedarf. Dieser Betrag ist jedoch kein automatisches Kostgeld, das die Eltern vom Kind verlangen können.

So lässt sich der Haushaltsbeitrag nachvollziehbar berechnen

Für eine faire Vereinbarung würde ich nicht mit einer beliebigen runden Zahl beginnen, sondern die tatsächlichen Leistungen des Haushalts grob aufteilen. Eine mögliche Beispielrechnung sieht so aus:

Kostenbereich Beispiel pro Monat
Lebensmittel und Getränke 200 bis 300 Euro
Strom, Heizung und Wasser 50 bis 100 Euro
Internet, Haushaltsmittel und gemeinsame Versicherungen 30 bis 70 Euro
Wohnanteil für das Zimmer 150 bis 350 Euro
Gesamter rechnerischer Anteil 430 bis 820 Euro

Der rechnerische Anteil ist nicht automatisch der faire Zahlbetrag. Eltern tragen häufig weiterhin Kosten aus familiärer Solidarität, und das Kind übernimmt vielleicht Einkäufe, Fahrdienste oder regelmäßige Hausarbeit. Deshalb kann ein Betrag von 250 Euro angemessen sein, obwohl der tatsächliche Kostenanteil deutlich höher liegt.

Eine einfache Formel für die Familienvereinbarung

Praktisch ist folgende Rechnung: tatsächliche Zusatzkosten des Kindes plus ein angemessener Wohnanteil, abzüglich eigener Beiträge und regelmäßiger Mithilfe. Wer nur ein Zimmer nutzt und sich selbst versorgt, sollte nicht denselben Betrag zahlen wie jemand, der täglich Frühstück, Mittagessen und Abendessen aus dem gemeinsamen Haushalt erhält.

Ich würde außerdem einen festen Zahlungstag vereinbaren und alle drei bis sechs Monate prüfen, ob sich Einkommen, Ausbildung oder Umfang der Verpflegung verändert haben. So bleibt der Betrag anpassbar, ohne dass jede Änderung sofort zum Grundsatzstreit wird.

Welche Fehler Familien beim Kostgeld häufig machen

Der Betrag wird am Einkommen vorbei festgelegt

Ein Kostgeld von 400 Euro kann bei einem Vollzeitgehalt gut tragbar sein, bei einer kleinen Ausbildungsvergütung aber einen großen Teil des verfügbaren Geldes auffressen. Das Kind muss weiterhin Fahrtkosten, Kleidung, Versicherungen und Rücklagen finanzieren können. Ein Beitrag, der jede eigene finanzielle Entwicklung verhindert, erfüllt seinen Zweck nicht.

Unterhalt und Kostgeld werden vermischt

Ein unterhaltsberechtigtes Kind kann trotz eigener Zahlung an den Haushalt weiterhin einen Unterhaltsanspruch haben. Umgekehrt führt ein bestehender Unterhaltsanspruch nicht automatisch dazu, dass das Kind kostenlos wohnen muss. Beide Rechnungen sollten getrennt betrachtet und anschließend miteinander abgestimmt werden.

Hausarbeit wird nicht berücksichtigt

Regelmäßiges Kochen, Putzen, Einkaufen oder die Betreuung jüngerer Geschwister kann ein echter Beitrag zum Haushalt sein. Das ersetzt nicht zwingend jede Geldzahlung, sollte aber bei der Höhe berücksichtigt werden. Eine reine Geldforderung wirkt schnell ungerecht, wenn das Kind gleichzeitig einen erheblichen Teil der Haushaltsarbeit übernimmt.

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Es gibt keine klare Absprache

Unklarheit führt besonders oft zu Konflikten. Die Eltern sollten deshalb kurz schriftlich festhalten, wie viel gezahlt wird, wofür der Betrag gilt und wann eine Anpassung erfolgt. Eine formlose Vereinbarung per Nachricht reicht für den Familienalltag meist aus, sofern alle Beteiligten sie eindeutig verstehen.

Besondere Regeln bei Ausbildung, Studium und Bürgergeld

Während einer ersten Ausbildung oder eines Studiums kann die Unterhaltspflicht der Eltern fortbestehen. Das Bundesfamilienportal weist darauf hin, dass volljährige unverheiratete Kinder unter 21 Jahren in allgemeiner Schulausbildung unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin unterhaltsberechtigt sind, wenn sie im Haushalt der Eltern leben.

Bei einer Ausbildungsvergütung zählt nicht einfach der gesamte Bruttobetrag. Steuern, Sozialabgaben und anerkannte ausbildungsbedingte Aufwendungen können eine Rolle spielen. Erst danach lässt sich beurteilen, wie viel Einkommen für den eigenen Unterhalt tatsächlich zur Verfügung steht.

Für Studierende, die nicht bei den Eltern wohnen, nennt die Düsseldorfer Tabelle 2026 regelmäßig einen Bedarf von 990 Euro monatlich. Darin sind bis zu 440 Euro für Unterkunft einschließlich umlagefähiger Nebenkosten und Heizung enthalten. Diese Zahl betrifft nicht das Kostgeld im Elternhaus, sondern den allgemeinen Bedarf eines auswärts lebenden Studierenden.

Auch beim Bürgergeld gelten eigene Regeln. Zahlungen eines erwachsenen Kindes an die Eltern können je nach Zusammensetzung als Beteiligung an Unterkunftskosten oder Verpflegung bewertet werden. Wer Leistungen bezieht, sollte deshalb nicht einfach die private Kostgeldvereinbarung übernehmen, sondern die Auswirkungen vorher mit dem Jobcenter klären.

Ein fairer Betrag braucht klare Grenzen

Als praktische Orientierung halte ich 150 bis 550 Euro monatlich für eine nachvollziehbare Spanne, sofern das Kind eigenes Einkommen hat. Entscheidend sind nicht die vermeintlich richtigen Zahlen aus dem Internet, sondern die tatsächlichen Leistungen, das Einkommen und die Frage, ob das Kind noch unterhaltsberechtigt ist.

Am saubersten ist eine kurze Vereinbarung mit Betrag, Leistungsumfang und Anpassungsregel. So bleibt Kostgeld ein fairer Beitrag zum gemeinsamen Haushalt und wird nicht zu einer versteckten Miete oder zu einer pauschalen Kürzung von Unterhalt.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Eine allgemeine gesetzliche Pflicht zur Zahlung von Kostgeld besteht nicht. Eltern können das weitere Zusammenleben jedoch an einen angemessenen Beitrag zu den Haushaltskosten knüpfen. Höhe und Leistungsumfang sollten vorher klar vereinbart werden.

Als praktische Orientierung gelten etwa 150 bis 550 Euro monatlich. Auszubildende mit niedrigem Einkommen zahlen häufig 150 bis 250 Euro, während bei vollständiger Unterkunft und Verpflegung für Vollzeitbeschäftigte etwa 350 bis 550 Euro angemessen sein können.

Nein. Die Düsseldorfer Tabelle betrifft den unterhaltsrechtlichen Bedarf und ist keine Kostgeldliste. Für ein volljähriges Kind im Haushalt der Eltern nennt sie in der niedrigsten Einkommensgruppe 698 Euro Bedarf. Nach Abzug von 259 Euro Kindergeld verbleiben 439 Euro, die jedoch nicht automatisch als Kostgeld verlangt werden dürfen.

Berücksichtigt werden sollten die tatsächlichen Zusatzkosten für Lebensmittel, Energie und Haushaltsmittel sowie ein angemessener Wohnanteil. Davon können eigene Beiträge des Kindes und regelmäßige Mithilfe im Haushalt abgezogen werden. Auch Einkommen, Verpflegungsumfang und Selbstversorgung spielen eine Rolle.

Während einer ersten Ausbildung oder eines Studiums kann weiterhin ein Unterhaltsanspruch bestehen. Bei einer Ausbildungsvergütung zählen unter anderem Steuern, Sozialabgaben und anerkannte ausbildungsbedingte Aufwendungen. Beim Bürgergeld sollte die Vereinbarung vorab mit dem Jobcenter abgestimmt werden, weil Zahlungen als Unterkunfts- oder Verpflegungskosten bewertet werden können.

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kindesunterhalt düsseldorfer tabelle kindergeld ausbildungsvergütung kostgeld

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Pierre Krauß

Ich bin Pierre Krauß und beschäftige mich seit 3 Jahren intensiv mit rechtlichen Themen für den Alltag. Meine Arbeit auf ra-dexheimer.de konzentriert sich darauf, komplexe Sachverhalte aus den Bereichen Familie, Arbeit und Wohnen für Sie verständlich aufzubereiten. Es ist mir wichtig, Ihnen fundierte Informationen zu liefern, die auf sorgfältiger Recherche und dem Vergleich verschiedener Quellen basieren. Mein Ziel ist es, Ihnen dabei zu helfen, Ihre Rechte und Pflichten in diesen wichtigen Lebensbereichen klar zu erkennen und nachvollziehen zu können, damit Sie gut informierte Entscheidungen treffen können.

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